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Trauer leben/durchleben
Trauer ist eine normale Reaktion auf Verlust (werden – sein – vergehen).
In unserer modernen leistungsorientierten Gesellschaft nehmen wir uns oft nicht mehr die Zeit Abschied zu nehmen. Alles muss schnell schnell gehen und dabei werden viele Verluste nicht verarbeitet, sondern verdrängt – in ein stilles Kämmerlein geschoben, dort warten sie, um irgendwann wieder ans Tageslicht zu kommen. Diese „Traueraufbewahrung“ kostet viel Lebenskraft.
Manchmal haben wir das Gefühl, wir müssen unsere Trauer „loswerden“, aber auf dieser Erde gibt es keinen „Mulleimer“ wo man die Trauer einfach reinschmeißen kann. Das funktioniert leider nicht.
Nur durchlebte (zum Ausdruck gebrachte) Trauer wandelt sich in Lebensfreude um, und gibt uns die Kraft für einen neuen Anfang.
Ein geschützter Rahmen, eine tragende Gemeinschaft (Gruppe) und die eigene Bereitschaft sich mit der Trauer auseinander zu setzen, sind die Vorraussetzungen dafür.
Der Trauerberg
Der Trauerberg besteht aus:
Trauer die wir von unserer Familie/Volk übernommen haben. Trauer die von unseren Vorfahren nicht verarbeitet wurde und uns „mitgegeben“ wurde.
Jetzige, aktuelle Trauer die wir haben.
Und an der Spitze des Trauerberges kommt die zukünftige Trauer (z.B.: wir wissen, dass Mutter, Vater…. krank ist und bald sterben wird. Wir wissen, dass die Trauer in absehbarer Zeit auf uns zukommen wird).
Wut, Schuldgefühle ausdrücken
Oft haben Wut und Schuldgefühle ihre Wurzel in der Kindheit.
Die Meisten von uns haben in der Kindheit nicht das bekommen was wir gebraucht/gewünscht haben. Dadurch ist eine Menge Wut und Schuld entstanden. Wir haben Wut gegen Andere (Bezugsperson) oder uns selbst gerichtet und das Gefühl entwickelt, wir sind nicht in Ordnung, und, dass wir schuldig sind, für das was in unserer Familie passiert ist.
Diese inneren Überzeugungen begleiten uns unbewusst ins Erwachsenenalter und beeinflussen unsere Handlungen, solange, bis wir sie bewusst anschauen/verabschieden und unseren Bezugspersonen (meist die Eltern) vergeben. Zur Einsicht kommen, dass unsere Eltern uns nicht geben konnten was wir gebraucht hätten, weil auch sie es nicht bekommen haben (hier geht es oft um Liebe, Anerkennung, Verstehen, in die Arme nehmen….).
Liebe ausdrücken/erlauben
Im Trauerprozess ist es wichtig sich an gute Zeiten zu erinnern, und die Liebe die zwischen dem Trauernden und der verlorenen Person oder Sache war, zum Ausdruck zu bringen.
Manchmal haben wir versäumt unsere Liebe zum Ausdruck zu bringen. Wir haben es für selbstverständlich gehalten, den Anderen zu lieben und, dass der Andere diese Liebe gespürt hat.
Nicht ausgedrückte Liebe kann im Trauerprozess sehr schmerzhaft sein.
Ideale Bilder loslassen
Wir wissen wie wir selbst und die Anderen sein sollten….
Wir wissen wie unsere Familie und Situation sein sollte…..
Das sind oft hoch angesetzte Bilder von uns selbst, Anderen und Situationen, die nicht mit der Realität übereinstimmen und uns manchmal unseren Alltag schwer machen.
Es ist hilfreich diese idealen Bilder zu erkennen und zu verabschieden. Das ermöglicht uns, uns selbst und die Anderen so zu nehmen wie wir sind, das gibt uns wieder neue Lebenskraft.
Den Verlust verarbeiten
Trauer und Freude sind eine Medaille mit zwei Seiten. Wird die Trauer verhindert, ist der Weg zur Freude auch blockiert. Wird die Trauer ausgedrückt (weinen, klagen, malen, schreiben….), geschieht Trauerumwandlung und die Lebensfreude kann wieder fließen.
Abschiedsrituale - loslassen wollen und dürfen
Wie das Wort „Abschiednehmen“ es schon selbst sagt: Indem wir uns von Altem, Vergangenem verabschieden, dürfen wir auch etwas nehmen, etwas auf dem neuen Weg nehmen.
Wir verabschieden uns von unserem Verlust, damit schaffen wir Platz für Neues. Die Erinnerung an Vergangenes hat einen anderen Platz in unserem Leben bekommen, so dass wir es trotzdem wagen weiter zu leben. Gleichzeitig dürfen wir auch nehmen, z.B. Mut und Kraft für den neuen Anfang.
Das kann durch ein Abschiedsritual geschehen. Ritual = bewusste symbolische Handlung.
Trauerumwandlung
Trauerumwandlung ist ein Prozess, der uns ein Leben lang begleitet.
Wir erleben einen Verlust, Trauer ist die Folge.
Wir geben der Trauer Ausdruck und wandeln sie in Lebensfreude um.
Wir freuen uns – bis der nächste Verlust kommt, dann fängt alles wieder von Vorne an: weden-sein-vergehen.
Deswegen ist es wichtig die Trauerumwandlung in kleinen alltäglichen Sachen zu lernen. Z. B. jeden Tag bewusst Abschiednehmen, vom Tag, dem Partner, den Kindern etc.
Wenn wir in kleinen Dingen lernen uns bewusst zu verabschieden und loszulassen, haben wir ein gutes Gerüst um große Verluste zu verarbeiten und haben dann einen positiven Einfluß auf den Verlauf unser Trauer.
An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Jorgos Canacakis bedanken, für seine Arbeit am Trauergebiet und seinem LTUM - Leben- und Trauer- Umwandlungs- Model.
Die Ausbildung für Lebens- und Trauerbegleitung / Beratung (Myrogaogin) bei Jorgos Canacakis hat mir geholfen meine persönliche Trauer zu bewältigen und fließt in meine Atbeit mit ein.
Danke Jorgos Canacakis,
Marija Plese
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